Mit viel Ehrenamt und Engagement sind die «IG Velo» und später die Pro-Velo-Regionalverbände seit jeher unterwegs – in Graubünden seit über 40 Jahren. In den letzten Jahren hat sich Pro Velo Graubünden stark verändert: Aus einer kleinen, vorwiegend ehrenamtlich getragenen Geschäftsstelle ist eine solide Fachorganisation mit mehreren Teilzeitangestellten geworden.

Ein wichtiger Teil dieser Entwicklung ist das Bündner Bikesharing. Weil sich die Stadt Chur zunächst nicht als Trägerin eines öffentlichen Veloverleihs hervorgetan hatte, gelang es 2023, verschiedene Partner für eine gemeinsame Finanzierung zu gewinnen. Unterstützt wurde der Aufbau durch die damalige Koordinationsstelle für nachhaltige Mobilität des Bundes, KOMO. Damit entstand erstmals in der Geschichte von Pro Velo Graubünden eine bezahlte Projektleitungsstelle. Wir konnten nextbike als Betreiber gewinnen, Standorte aufbauen und zeigen: Ein Veloverleih funktioniert, wenn er gemeinschaftlich getragen und professionell betreut wird.

Heute übernehmen wir für Gemeinden und weitere Partner die Koordination, Qualitätssicherung, Kommunikation und Weiterentwicklung des Systems. Diese Dienstleistungen werden entschädigt – und das Bikesharing ist inzwischen das finanzielle Rückgrat unserer Geschäftsstelle. Das Wachstum ist sichtbar: Im Frühling konnten wir erstmals ein eigenes Büro in der Veloremise Chur beziehen. Im Herbst stösst bereits unsere sechste festangestellte Fachkraft in Teilzeit zum Team. Herzlich willkommen, Yvonne Friedrich, unsere neue Projektleiterin Veloverleih!

Neue Aufträge, neue Möglichkeiten

Auch in anderen Bereichen konnten wir unsere Arbeit ausbauen. Die Zahl und Vielfalt unserer Velokurse ist gewachsen, unter anderem dank der Zusammenarbeit mit der kantonalen Fachstelle für Integration. Dabei können wir zunehmend nicht nur Kursleitende, sondern auch die Projektarbeit rund um Organisation und Koordination finanzieren. Dazu kamen weitere Aufgaben und Partnerschaften: Veranstaltungen mit Tourismusorganisationen wie FreiPass Graubünden, Projekte der Neuen Regionalpolitik, Routenkontrollen für das kantonale Tiefbauamt sowie Signalisationsarbeiten für Gemeinden und Regionen – inzwischen auch auf MTB-Routen. Pro Velo Graubünden wird dadurch immer stärker als Fachorganisation für aktive Mobilität wahrgenommen: mit Fachwissen, Erfahrung und Dienstleistungen, die von Gemeinden, Regionen und Kanton nachgefragt werden.

Mitglieder bleiben zentral

Nicht jede Arbeit lässt sich allerdings einem Auftraggeber verrechnen. Für Leser, politische Netzwerkarbeit, Kommunikation oder unsere Website bezahlt uns niemand. Genau dafür braucht es die Mitgliederbeiträge. Denn Pro Velo ist nicht nur Dienstleisterin, sondern weiterhin eine unabhängige Interessenorganisation, die sich im Auftrag ihrer Mitglieder für bessere Bedingungen fürs Velofahren einsetzt. Und egal wie gross unsere Geschäftsstelle wird: Ohne Ehrenamt geht es nicht. Viele unserer Aktionen können zwar professionell vorbereitet werden, aber nur dank zahlreicher freiwilliger Helfer stattfinden. Das gilt beispielsweise auch für unser SattelFest am ersten Oktoberwochenende in Chur. Darum ein grosses Dankeschön an alle Helfenden und Mitglieder, die unseren Verein mittragen und uns jedes Jahr das Vertrauen geben, neue Wege zu gehen.

Ehrenamt und Lohnarbeit

Professionalisierung bedeutet nicht, Ehrenamt durch bezahlte Arbeit zu ersetzen. Sie bedeutet, beides neu auszubalancieren und wertzuschätzen. Einen Pro-Velo-Verein weiterzuentwickeln, braucht Zeit, Feingefühl und manchmal auch etwas Glück – bei Finanzen ebenso wie beim Personal. Es braucht neue Strukturen und Dienstleistungen, mit denen eine Geschäftsstelle einen Teil ihrer Arbeit finanzieren kann.

Unsere Erfahrungen teilen wir deshalb gerne mit anderen Regionalverbänden. Drei Kantone haben wir bereits bei ähnlichen Fragen begleitet. Vielleicht wird es eines Tages selbstverständlich sein, dass jeder Pro-Velo-Regionalverband mit einer eigenen Geschäftsstelle für das Velo einstehen kann. Aus unserer Erfahrung gelingt dieser Wandel dann, wenn Ehrenamt und Lohnarbeit nicht gegeneinander ausgespielt, sondern sinnvoll miteinander verbunden werden: Bezahlte Arbeit schafft den professionellen Rahmen, freiwilliges Engagement gibt ihm Leben.

Ein Blick zurück ins Jahr 1980

Wie viel sich verändert hat – und wie vieles gleich geblieben ist –, zeigt ein Blick in unser Archiv. Bereits im März 1980 erschien die erste Ausgabe des damaligen IG-Velo-Blatts. Wer in der Geschichte des Vereins stöbern und vielleicht in Erinnerungen schwelgen möchte, findet hier die vollständige erste und zweite Ausgabe des IG-Velo-Blatts aus dem Jahr 1980!

IG VELO-Blatt Nr 1 März 1980

IG VELO-Blatt Nr 2 Oktober 1980